Klimaanlagen sorgen für mehr Sicherheit. Noch bis vor wenigen Jahren waren Klimaanlagen beinahe ausschließlich in der automobilen Oberklasse zu finden. Heute gehören sie oft schon bei Kompaktautos zur Serienausstattung. Jeder zweite Neuwagen wird bereits mit Aircondition ausgeliefert. Da die Ingenieure der großen Automobilhersteller und deren Zulieferer die Umweltverträglichkeit der Klimaanlagen erheblich verbessern und Sicherheitsaspekte entscheidend fördern konnten, wurden die Anlagen in den vergangenen Jahren immer mehr von einem Luxusfeature zu einem sinnvollen Ausstattungselement. Amerikanische Fahrzeughersteller waren 1952 die ersten, die mit der Pkw-Klimatisierung ab Werk begannen. Seit 1957 können Kunden auch in Europa Klimaanlagen im Auto bestellen. Inzwischen werden sie von den meisten Herstellern für fast alle Modelle angeboten, die Einbauraten steigen seit Jahren kontinuierlich an.
Fenster öffnen reicht nicht Rund 200 Stunden jährlich müssen Autofahrer bei Temperaturen zwischen 20°C (68°F) und 40°C 104°F im Fahrzeug ohne Klimatisierung schwitzen. Das liegt vor allem am aerodynamischen Design der Karosserien mit ihren großen, stark geneigten Scheiben, durch die die Wärme zwar hinein, aber nicht wieder hinaus gelangt: der so genannte Treibhauseffekt. Die Temperaturen im Auto liegen dabei stets um 5°C (9°F) bis 15°C (27°F) über der Außentemperatur. Und bei direkter Sonneneinstrahlung können in einem stehenden Fahrzeug im Kopfraum sogar bis zu 70°C (158°F) erreicht werden. Ungekühlte Außenluft hilft da wenig. Mit ihr bleibt die Temperatur im Auto immer noch etwa 5°C (9°F) über der Außentemperatur. Ein angenehmes Klima im Fahrzeuginnenraum lässt sich mit der Lüftung oder offenen Fenstern nur bis zu einer Außentemperatur von 15°C (59°F) und ohne Sonneneinstrahlung erzeugen. In vielen Ländern der Erde liegen die durchschnittlichen Werte weit darüber. Für ein komfortables, gesundes und sicheres Fahren reicht dann die reine Außenluftkühlung keinesfalls aus.
Verkehrsmediziner plädieren für Klimatisierung Klimaanlagen bringen außer dem bekannten Komfort für die Passagiere ein großes Sicherheitsplus mit sich. Trotzdem zählen sie für viele immer noch als Ausstattungsextra. Die Gesetzgeber sehen das meist ähnlich. Vorschriften gibt es oftmals nur für Geld- und Werttransporter, in anderen Fällen interessiert die Temperatur hinterm Steuer leider nicht. Das sollte sie aber, denn die Reaktionszeit steigt mit dem Wärmegrad an. Außerdem wächst mit zunehmender Hitze auch die Neigung zu „hitzigem“ Verhalten. Die Arbeitsmedizinerin Barbara Bernhard vom Privaten Institut für Mobile Arbeitsmedizin (PIMA) in Mainz stellte in zahlreichen Testreihen fest: „In heißen Autos wird die Hupbereitschaft größer, die Aggressivität des Fahrers steigt.“
Weniger Unfälle durch kühlere Temperaturen Etwa 20% aller Verkehrsunfälle lassen sich auf verminderte Wachsamkeit, zu langsame Informationsverarbeitung oder mangelnde Kondition zurückführen und könnten, so die verbreitete Meinung von Verkehrsexperten und Medizinern, mit einem klimatisierten Auto vermieden werden. Besonders gefährdet sind Autofahrer mit Herz-Kreislauferkrankungen. Eine konstante, körperfreundliche Fahrzeuginnentemperatur kann im Ernstfall sogar Leben retten. Und das wird wohl auf die Klimaanlage der Zukunft noch viel mehr zutreffen.
Die Sicherheitsaspekte nutzen darüber hinaus auch der Allgemeinheit. So werden Versicherungsprämien durch weniger Unfälle günstiger und Sozialleistungen für Unfallopfer und Hinterbliebene entfallen. Außerdem steigert eine Klimaanlage den Wiederverkaufswert eines Autos. Sie zählt auf dem Gebrauchtwagenmarkt der Mittel- und Oberklasse, anders als Heckspoiler und Alufelgen, mittlerweile zum Ausstattungsmuss. Aber auch Käufer gebrauchter Kompaktwagen verlangen immer häufiger dieses komfortable Extra.
Aircondition erhöht den Verbrauch Ein Faktor, der im Zusammenhang mit einer Klimaanlage im Auto immer wieder diskutiert wird, ist die Auswirkung auf die Umwelt durch Mehrverbrauch und Verlust von Kältemittel. Wird die Aircondition eingeschaltet, kann der Verbrauch je nach Situation steigen. Doch das geschieht auch durch den steigenden Luftwiderstand eines Fahrzeugs, wenn Fenster und Schiebedach geöffnet werden. Wie hoch der Mehrverbrauch an Kraftstoff durch den Betrieb einer Klimaanlage ist, hängt nicht zuletzt von der Bedienung des Systems ab. Der Automobil-Klimaspezialist Gerhard Georg sagt dazu: „Über das Jahr gerechnet ergibt sich für ein Auto mit Klimaanlage ein Mehrverbrauch von durchschnittlich 0,6 Liter je 100 Kilometer (62 Miles).“ Neben der Bedienung gehören auch die Größe und Neigung der Glasflächen des Fahrzeugs zu den Faktoren, die den Betrieb der Klimaanlage beeinflussen. Im Winter kommt noch hinzu, dass verbrauchsoptimierte Motoren inzwischen weniger Wärme abgeben, die zum Entfrosten der Scheiben oder Beheizen des Innenraums gebraucht wird. Auch hier muss die Klimaanlage Extraarbeit leisten. Einige praktische Hinweise im Umgang mit der Klimaanlage im Auto: - Die optimale Fahrzeuginnentemperatur liegt bei 22°C (71.6°F)
- Der Temperaturunterschied zwischen draußen und drinnen sollte jedoch so gering wie möglich sein, sonst droht Erkältungsgefahr
- Luftdüsen so einstellen, dass der Luftstrom über die Schultern der vorne sitzenden Personen geblasen wird
- Kalten Luftstrom nicht direkt auf den Körper richten
- Öffnen Sie bei aufgeheiztem Auto vor Fahrtbeginn alle Türen – das spart der Klimaanlage Arbeit und damit Sprit
- Danach auf Umluft stellen und Gebläse zunächst auf höchster Stufe laufen lassen
- Klimaanlage immer ausstellen, wenn gewünschte Temperatur erreicht ist
- Für Sauerstoffzufuhr regelmäßig Fenster kurz öffnen
- Lassen Sie den Wärmetauscher regelmäßig in einer Werkstatt reinigen und desinfizieren
- Kühlmittel muss in der Werkstatt regelmäßig nachgefüllt werden, sonst wird der teure Kompressor zerstört
- Lassen Sie regelmäßig die Trocknerpatrone austauschen
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